Topstars, Zusatztribüne, Wimbledonflair – Berlin ist bereit

cg - Berlin im Juni ist inzwischen mehr als Erdbeeren im Supermarkt und erste Sonnenbrände am Wannsee. Es ist diese eine Woche geworden, in der sich die Tenniswelt an der Hundekehle trifft, das Steffi-Graf-Stadion zum internationalen Laufsteg der WTA-Tour wird und plötzlich Menschen durch den Grunewald laufen, die sonst eher Centre Courts in Melbourne, Paris oder London gewohnt sind. Und wenn man sich die Meldeliste der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 anschaut, dann wird schnell klar: Das hier ist längst kein nettes Vorbereitungsturnier mehr. Das ist Weltklasse mitten in Berlin.

Noch 25 Tage, dann rollen auf der Anlage des LTTC „Rot-Weiß“ wieder die gelben Filzkugeln über den Rasen – und zwar nicht irgendein bisschen, sondern mit der geballten Kraft der aktuellen Tenniselite. Neun der zehn besten Spielerinnen der Welt schlagen in Berlin auf. Neun. Das klingt weniger nach WTA-500-Turnier und eher nach „Wir machen Wimbledon einfach schon zwei Wochen früher“.

Angeführt wird das Feld von Aryna Sabalenka, der aktuellen Nummer eins der Welt, die in dieser Saison längst wieder den Eindruck vermittelt, als wolle sie alles gewinnen, was irgendwo mit Linien und Netz aufgebaut wird. Brisbane, Indian Wells, Miami – drei große Titel hat sie bereits eingesammelt. Und wer vergangenes Jahr in Berlin dabei war, erinnert sich vermutlich noch an dieses Viertelfinale gegen Elena Rybakina. Dieses wilde, hochklassige, nervenaufreibende Ding über fast drei Stunden, bei dem Sabalenka im entscheidenden Tie-Break gleich vier Matchbälle abwehren musste. Es war eines dieser Matches, bei denen selbst Zuschauer irgendwann vergessen, auf welcher Seite sie eigentlich stehen wollten.

Rybakina kommt natürlich ebenfalls wieder nach Berlin. Genauso wie Coco Gauff, Madison Keys oder Olympiasiegerin Belinda Bencic. Insgesamt stehen 16 Spielerinnen aus den Top 20 der Weltrangliste auf der Meldeliste. Für ein WTA-500-Turnier ist das beinahe absurd stark. Man könnte auch sagen: Andere Städte würden dafür vermutlich ihre Rathausfassade beleuchten lassen. In Berlin baut man stattdessen einfach noch eine Tribüne dazu.

Und genau das wird an der Hundekehle passieren. Weil der Andrang immer größer wird, erhält das Steffi-Graf-Stadion für 2026 eine zusätzliche Tribüne mit 424 weiteren Plätzen pro Tag. Wer also in den vergangenen Jahren dachte, das Turnier sei langsam an seiner Kapazitätsgrenze angekommen, bekommt nun die Antwort der Veranstalter direkt vor die Nase gesetzt: größer, voller, internationaler. Dazu entsteht am Hundekehlesee ein zweiter Publikumseingang, das gesamte Clubgelände wird erstmals vollständig ins Turnier integriert und auch die Wegeführung soll deutlich entspannter werden. Kurz gesagt: Das Turnier wächst sichtbar weiter. Und zwar nicht nur sportlich.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, wie selbstverständlich sich Berlin inzwischen in den internationalen Tenniskalender gedrückt hat. Früher war die Rasensaison oft nur Durchgangsstation auf dem Weg nach Wimbledon. Heute wollen die Spielerinnen ganz offensichtlich genau hierher. Turnierdirektor Markus Zoecke formuliert es diplomatisch. Wer allerdings sieht, welche Namen inzwischen jedes Jahr anreisen, merkt schnell: Berlin ist für viele längst Pflichttermin geworden.

Und vielleicht kommt es diesmal tatsächlich zu diesem großen Showdown, über den im Hintergrund bereits spekuliert wird. Denn sollte Rybakina bei den French Open erfolgreicher abschneiden als Sabalenka, könnte sich der Kampf um die Nummer eins der Welt direkt in Berlin zuspitzen. Man stelle sich das einmal vor: Weltspitze, Rasensaison, Berliner Sommerabend und ein Finale um Platz eins der Weltrangliste mitten im Grunewald. Schlechtere Drehbücher hat selbst Hollywood schon produziert.

Doch natürlich richtet sich der Blick nicht nur auf die internationalen Stars. Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen erneut auf Eva Lys. Die Hamburgerin erhält eine Wildcard für das Hauptfeld und kehrt damit bereits zum dritten Mal nach Berlin zurück. Seit ihrem sensationellen Achtelfinaleinzug bei den Australian Open 2025 ist Lys endgültig auf dem Radar der Tenniswelt angekommen. Und genau solche Geschichten liebt Berlin ja ohnehin: jung, mutig, leicht unterschätzt und plötzlich mittendrin zwischen den ganz Großen.

Überhaupt scheint sich rund um das Turnier eine besondere Mischung entwickelt zu haben. Einerseits absolute Weltklasse mit Millionenpreisgeld, globalen Stars und nahezu ausverkauften Tribünen. Andererseits bleibt da immer noch dieses leicht Berlinerische erhalten. Der Spaziergang durch den Grunewald vor dem ersten Match. Die Zuschauer mit Erdbeerschale auf der Tribüne. Die Diskussionen über den besten Platz auf der Anlage. Und natürlich dieses Gefühl, plötzlich ganz nah dran zu sein an Spielerinnen, die man sonst nur nachts im Fernsehen sieht.

Auch wirtschaftlich wird längst größer gedacht. Mit VANDA Pharmaceuticals hat das Turnier einen neuen Titelsponsor gefunden, der die BERLIN TENNIS OPEN mindestens bis 2028 begleiten wird. Dahinter steckt mehr als nur ein neuer Name auf den Bannern. Es ist ein klares Signal, dass dieses Turnier weiter wachsen soll – sportlich, organisatorisch und international.

Und wenn man ehrlich ist, spürt man diese Entwicklung bereits jetzt. Die Ticketnachfrage ist enorm, insbesondere ab dem Viertelfinale sind viele Tage nahezu ausverkauft. Dass die neue Zusatztribüne nun kurzfristig weitere Plätze schafft, dürfte zahlreiche Tennisfans erleichtern. Denn eines scheint ziemlich sicher: Wer dieses Jahr zu lange wartet, schaut irgendwann nur noch von draußen Richtung Steffi-Graf-Stadion.

Berlin bekommt also wieder neun Tage Tennis der Spitzenklasse. Mit Weltstars, möglichen Wachablösungen in der Weltrangliste, Wimbledonflair mitten im Grunewald und vermutlich erneut langen Abenden, an denen Zuschauer die Anlage erst verlassen, wenn es eigentlich längst dunkel geworden ist.

Oder kurz gesagt: Der Sommer 2026 serviert den nächsten ganz großen Tennis-Aufschlag. Und die Hundekehle wird wieder der Ort sein, an dem die Weltklasse vorbeischaut.

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WELTKLASSE TENNIS AUF WIMBLEDON RASEN
VOM 13. BIS 21. JUNI 2026

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