cg - Es gibt Turniertage, an denen Weltklasse-Tennis im Mittelpunkt steht. Und dann gibt es jene Tage, an denen der Sport plötzlich beweist, dass auch modernste Technik nicht unfehlbar ist. Der Mittwoch bei den VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 hatte von beidem reichlich zu bieten: emotionale Siege, prominente Überraschungen und einen kurzen Moment, in dem auf dem Centre Court nichts mehr ging.
Mitten im Achtelfinale zwischen Jessica Pegula und Katerina Siniakova herrschte plötzlich Stillstand. Kein Ballwechsel, kein Aufschlag, keine Entscheidung. Grund war ein Ausfall des elektronischen Linienrufsystems – im Profitennis als Electronic Line Calling Live (ELC Live) bekannt – inklusive der Videotechnik. Rund zehn Minuten dauerte die Unterbrechung, ehe die Stuhlschiedsrichterin die Partie fortsetzen konnte. Die Ursache war letztlich fast schon banal: In der Nähe des Schiedsrichterstuhls war versehentlich die Stromversorgung unterbrochen worden. Erst nachdem sämtliche Systeme wieder hochgefahren waren, konnte weitergespielt werden.
Für viele langjährige Tennisfans war dieser kleine Zwischenfall fast schon eine Erinnerung an frühere Zeiten. Jahrzehntelang wachten Linienrichter über jeden Ball. Heute übernimmt diese Aufgabe nahezu vollständig die Technik. Sie sorgt zwar für größtmögliche Präzision, zeigt an Tagen wie diesem aber auch ihre kleine Achillesferse. Und ganz nebenbei verschwindet mit den Linienrichtern auch eine Tradition, über die viele internationale Schiedsrichter einst ihren Einstieg in den großen Tennissport fanden.
Sportlich ließ sich Jessica Pegula von der ungeplanten Pause allerdings nicht aus dem Konzept bringen. Die Turniersiegerin von 2024 setzte sich mit 6:2, 6:4 gegen Katerina Siniakova durch und zog souverän ins Viertelfinale ein.
Schon das erste Match des Tages hatte angedeutet, dass dieser Mittwoch Überraschungen bereithalten würde. Donna Vekic, frisch gekürte Siegerin des WTA-500-Turniers im Londoner Queen’s Club, galt gegen die junge Philippinin Alexandra Eala als Favoritin. Doch der nächste große Schritt in der Karriere des philippinischen Supertalents ließ nicht lange auf sich warten. Nach einem umkämpften ersten Satz spielte Eala mutig weiter, gewann mit 7:5, 6:4 und steht damit erstmals im Viertelfinale der Berlin Tennis Open. Wieder einmal bestätigte die erst 21-Jährige ihren Ruf als einer der spannendsten Shootingstars des Welttennis.
Für den emotionalsten Moment des Tages sorgte jedoch Paula Badosa.
Die ehemalige Weltranglistenzweite hatte in den vergangenen Monaten mehr Rückschläge als Erfolgserlebnisse erlebt. Gegen Coco Gauff schien zunächst alles den erwarteten Verlauf zu nehmen. Gauff dominierte den ersten Satz mit 6:1 und schien ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Doch anschließend drehte sich das Match komplett. Badosa spielte aggressiver, variabler und vor allem befreiter. Mit 6:3 und 6:2 drehte sie die Partie und sorgte für die bislang größte Überraschung des Turniers.
Was danach folgte, ging weit über den sportlichen Erfolg hinaus. Noch auf dem Platz kullerten der Spanierin die Tränen über die Wangen. Immer wieder musste sie tief durchatmen, ehe sie den ersten Interviewfragen antworten konnte. „Ich bin einfach nur froh und dankbar“, brachte sie schließlich hervor. Wer sich erinnert, dass Badosa vor einem Jahr in Berlin mit einer schmerzhaften Hüftverletzung aufgeben musste, konnte diese Emotionen gut nachvollziehen.
Einen deutlich ruhigeren Arbeitstag erlebte Aryna Sabalenka. Die Weltranglistenerste zeigte gegen Ekaterina Alexandrova eine konzentrierte Vorstellung und gewann mit 6:4, 6:4. Erst ihren dritten Matchball verwandelte die Belarussin, die in Berlin noch immer ihrem ersten Rasentitel hinterherjagt. Im Viertelfinale wartet nun mit Nikola Bartunkova eine Gegnerin, gegen die Sabalenka volle Konzentration benötigen wird.
Auch in der Doppelkonkurrenz wurden die Karten neu gemischt. Besonders bemerkenswert war das Aus der Titelverteidigerinnen Tereza Mihalikova und Olivia Nicholls, die gegen das eingespielte Duo Elise Mertens und Shuai Zhang mit 1:6, 5:7 den Kürzeren zogen. Ebenfalls im Viertelfinale stehen Lyudmyla Kichenok und Desirae Krawczyk sowie Ulrikke Eikeri und Quinn Gleason.
Der Donnerstag verspricht nun einen weiteren Höhepunkt dieser bislang hochklassigen Turnierwoche. Erstmals greift Elena Rybakina, die Nummer zwei der Welt, ins Geschehen ein. Die Kasachin trifft auf Überraschungsfrau Alexandra Eala, die nach ihrem Coup gegen Donna Vekic nun den nächsten Favoritenschreck landen möchte.
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick auf Eva Lys, die gegen Elina Svitolina um den Einzug ins Viertelfinale kämpft. Hinzu kommen die Begegnungen Linda Noskova gegen Diane Parry sowie das absolute Topspiel zwischen Madison Keys und Karolina Muchova – zwei Spielerinnen, die bislang zu den überzeugendsten Akteurinnen des Turniers zählen.
Noch sind für den Donnerstag einige wenige Eintrittskarten erhältlich. Danach heißt es endgültig: ausverkauft. Und wer die ersten Tage der Berlin Tennis Open erlebt hat, weiß inzwischen auch warum.
Spielplan Donnerstag 18. Juni 2026
STEFFI GRAF STADION beginnt um 11:00 Uhr
[8] L. Noskova (CZE) vs [Q] D. Parry (FRA)
[6] E. Svitolina (UKR) vs [WC] E. Lys (GER)
NB 3:30 PM M. Keys (USA) vs [7] K. Muchova (CZE)
NB 5:30 PM [WC] A. Eala (PHI) vs [2] E. Rybakina (KAZ)
COURT 1 beginnt um 14:00 Uhr
NB 2:00 PM A. Muhammad (USA) / F. Stollar (HUN) vs C. Gauff (USA) / J. Pegula (USA)
After suitable rest L. Kichenok (UKR) / D. Krawczyk (USA) vs E. Alexandrova / L. Noskova (CZE)





















