cg - Sechs Einzel, zwei Doppel und am Ende eine Sensation, über die auf der Anlage des LTTC „Rot-Weiß“ noch lange gesprochen wurde. Der Donnerstag der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 hatte alles, was ein großer Tennistag braucht: Weltklasse-Matches, starke Emotionen und eine junge Spielerin, die den vielleicht größten Sieg ihrer bisherigen Karriere feierte.
Die größte Aufmerksamkeit galt natürlich dem Abendmatch im Steffi-Graf-Stadion. Dort stand Elena Rybakina, die Weltranglistenzweite und eine der großen Favoritinnen auf den Turniersieg, erstmals in Berlin auf dem Platz. Doch als die langsam untergehende Abendsonne das Stadion in die besondere Stimmung der blauen Stunde tauchte, gehörte die Bühne einer anderen.
Alexandra Eala.
Die erst 21-jährige Philippinin entwickelt sich immer mehr zu einer der spannendsten Spielerinnen auf der WTA-Tour. Gegen Donna Vekic hatte sie bereits ihre Klasse angedeutet, gegen Elena Rybakina folgte nun der große Durchbruch. Dabei begann die Partie alles andere als nach Plan. Schnell lag Eala 1:4 zurück, doch anstatt sich vom Druck beeindrucken zu lassen, spielte sie mutiger, aggressiver und nahezu fehlerfrei. Spiel für Spiel kämpfte sie sich zurück, drehte den ersten Satz noch zum 7:5 und ließ anschließend nicht mehr locker.
Auch im zweiten Durchgang bestimmte sie immer häufiger das Tempo. Rybakina fand kaum Antworten auf das variantenreiche Spiel der Philippinin, verlor früh ihre Aufschlagspiele und musste sich schließlich mit 5:7, 4:6 geschlagen geben.
Als Alexandra Eala ihren zweiten Matchball verwandelt und beide Arme in den Berliner Abendhimmel streckt, wird aus lautem Applaus plötzlich echte Begeisterung. Es sind genau diese Geschichten, die ein großes Turnier schreibt. Vor wenigen Tagen kannten viele Zuschauer die junge Philippinin kaum. Jetzt verlässt sie den Centre Court als neuer Publikumsliebling der Berlin Tennis Open.
Bereits am Vormittag hatte Linda Noskova eindrucksvoll unterstrichen, warum sie derzeit zu den aufregendsten Nachwuchsspielerinnen der Tour zählt. Die 21-jährige Tschechin ließ der Französin Diane Parry beim 6:2, 6:2 kaum eine Chance und zog souverän ins Viertelfinale ein.
Nicht ganz so erfolgreich verlief der Tag aus deutscher Sicht. Eva Lys hatte sich gegen die Weltranglistenachte Elina Svitolina viel vorgenommen, musste aber anerkennen, dass die Ukrainerin derzeit in bestechender Form spielt. Beim 3:6, 2:6 fehlte der Hamburgerin vor allem in den entscheidenden Situationen die letzte Konsequenz. Ehrlich analysierte sie ihre Leistung anschließend selbst: „Meine Beinarbeit war heute einfach nicht gut. Da fehlt mir noch ein bisschen Fitness.“ Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht. Schon in der kommenden Woche wartet Bad Homburg, ehe es direkt weiter nach Wimbledon geht.
Im wohl ausgeglichensten Match des Tages setzte sich Madison Keys gegen Karolina Muchova mit 6:4, 7:5 durch. Zwei Spielerinnen, die auf Rasen beide hervorragend zurechtkommen und dem Publikum fast eineinhalb Stunden hochklassiges Offensivtennis boten. Im Viertelfinale wartet nun das amerikanische Duell gegen Jessica Pegula, die bereits tags zuvor überzeugend ins Viertelfinale eingezogen war.
Auch in der Doppelkonkurrenz wurde um jeden Punkt gekämpft. Besonders bemerkenswert verlief das Match zwischen Coco Gauff/Jessica Pegula und Asia Muhammad/Fanny Stollar. Nachdem Gauff und Pegula einen Satzrückstand aufgeholt hatten, schien das Momentum auf ihrer Seite zu liegen. Doch im entscheidenden Match-Tiebreak behielten Muhammad und Stollar mit 10:8 die besseren Nerven und zogen ins Halbfinale ein.
Ebenfalls unter den letzten Vier stehen Ekaterina Alexandrova und Linda Noskova, die sich mit einer souveränen Vorstellung gegen Lyudmyla Kichenok und Desirae Krawczyk durchsetzten.
Als die letzten Zuschauer langsam die Anlage verlassen und an der Hundekehle wieder Ruhe einkehrt, beginnt für andere der Arbeitstag allerdings noch einmal von vorn.
Während die Spielerinnen längst regenerieren und die ersten Interviews geschrieben sind, kümmern sich Greenkeeper Christian Engelmann und sein Team um die eigentlichen Hauptdarsteller des nächsten Tages: die drei Rasenplätze.
Viele Besucher fragen sich, was nachts eigentlich mit den empfindlichen Courts passiert. Bleiben sie offen liegen und vertraut man einfach auf die Wettervorhersage?
„Nein“, sagt Christian Engelmann mit einem Lächeln. „Wir gehen grundsätzlich kein Risiko ein.“
Selbst wenn der Wetterbericht keinen einzigen Tropfen Regen ankündigt, werden sämtliche Matchcourts am Abend mit den großen Planen abgedeckt. Im Fachjargon heißt das „Covern“. Die empfindliche Grasnarbe wird so vor Feuchtigkeit geschützt, bevor die Plätze am nächsten Morgen wieder freigelegt, kontrolliert und sorgfältig für den nächsten Turniertag vorbereitet werden.
Eigentlich gehen die Berliner Rasenplätze also jeden Abend schlafen – und bekommen vorsorglich ihre Decke übergezogen. Erst mit den ersten Sonnenstrahlen beginnt für sie der nächste Arbeitstag.
Der Blick richtet sich nun auf den Freitag – und der verspricht Tennis der Extraklasse. Im Viertelfinale trifft Überraschungsfrau Alexandra Eala auf Elina Svitolina, Aryna Sabalenka bekommt es mit Elise Mertens zu tun. Hinzu kommen die amerikanische Spitzenbegegnung zwischen Jessica Pegula und Madison Keys sowie das Duell Linda Noskova gegen Paula Badosa.
Vier Viertelfinals, acht Weltklassespielerinnen und ein ausverkauftes Steffi-Graf-Stadion. Die Berlin Tennis Open gehen langsam in ihre entscheidende Phase – und nach den bisherigen Turniertagen würde es niemanden mehr überraschen, wenn auch der Freitag die nächste große Geschichte schreibt.
Spielplan Freitag 19. Juni 2026
STEFFI GRAF STADION beginnt um 11:00 Uhr
[3] J. Pegula (USA) vs M. Keys (USA)
[8] L. Noskova (CZE) vs [WC] P. Badosa (ESP)
NB 3:30 PM [1] A. Sabalenka vs [WC] N. Bartunkova (CZE)
NB 5:30 PM [6] E. Svitolina (UKR) vs [WC] A. Eala (PHI)
COURT 1 beginnt um 13:00 Uhr
U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA) vs [2] E. Mertens (BEL) / S. Zhang (CHN)
[3] S. Errani (ITA) / N. Melichar-Martinez (USA) vs G. Olmos (MEX) / E. Routliffe (NZL)





















