cg - Als der letzte Ball des Tages gespielt war, hatte das Berliner Publikum gleich zwei Geschichten verabschiedet. Die Weltranglistenerste Aryna Sabalenka wird auch 2026 keinen Rasentitel in Berlin gewinnen. Und Alexandra Eala, die Überraschungsspielerin dieser Turnierwoche, musste ihren Traum vom Finale begraben. Übrig bleiben Jessica Pegula und Linda Noskova – zwei Spielerinnen, die sich ihren Platz im Endspiel der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 mit beeindruckender Konstanz und starken Leistungen verdient haben.
Schon das erste Halbfinale hielt, was die Paarung versprach. Jessica Pegula und Aryna Sabalenka lieferten sich über mehr als zwei Stunden einen Schlagabtausch auf höchstem Niveau. Sabalenka war als Weltranglistenerste erneut als Favoritin ins Match gegangen und wollte endlich ihren ersten Rasentitel feiern. Doch Pegula zeigte einmal mehr, warum sie seit Jahren zu den konstantesten Spielerinnen der Tour gehört.
Mit einem frühen Break setzte sich die Amerikanerin im ersten Satz entscheidend ab und brachte ihren Vorsprung zum 6:4 souverän ins Ziel. Sabalenka antwortete im zweiten Durchgang eindrucksvoll, erspielte sich eine deutliche Führung und schien das Match wieder unter Kontrolle zu bringen. Pegula kämpfte sich jedoch noch einmal zurück, glich zum 6:6 aus, ehe ausgerechnet eine Regenunterbrechung den Rhythmus des Spiels unterbrach. Nach der kurzen Pause behielt Sabalenka im Tiebreak die Nerven und erzwang den dritten Satz.
Was anschließend folgte, überraschte selbst viele Experten. Pegula spielte nahezu fehlerlos, traf ihre Grundschläge mit beeindruckender Präzision und ließ Sabalenka kaum noch Luft zum Atmen. Die Weltranglistenerste fand überhaupt nicht mehr zu ihrem Spiel, während Pegula Punkt um Punkt davonzog. Nach 2:16 Stunden verwandelte die Amerikanerin ihren dritten Matchball zum 6:4, 6:7, 6:0 und beendete damit erneut Sabalenkas Traum vom ersten Berliner Rasentitel.
Nach einer kurzen Verschnaufpause richteten sich alle Blicke auf das zweite Halbfinale. Alexandra Eala hatte sich in den vergangenen Tagen mit ihren Erfolgen über Donna Vekic, Elena Rybakina und Elina Svitolina in die Herzen der Berliner Tennisfans gespielt. Die junge Philippinin war längst mehr als nur eine Wildcard-Spielerin – sie war zur Entdeckung dieser Turnierwoche geworden.
Mit Linda Noskova wartete allerdings eine Gegnerin, die sich bislang ebenfalls nahezu fehlerfrei durch das Turnier gespielt hatte. Die Tschechin erwischte den besseren Start, setzte Eala mit druckvollen Grundschlägen sofort unter Druck und holte sich den ersten Satz nach nur 29 Minuten mit 6:2. Zwar kämpfte sich Eala im zweiten Durchgang nach einem frühen Rückstand eindrucksvoll zurück und drehte zwischenzeitlich den Satz zu einer 4:3-Führung, doch Noskova blieb bemerkenswert ruhig. Die 21-Jährige nutzte ihre Chancen konsequent, profitierte zudem davon, dass Eala mit einem bandagierten linken Arm sichtbar eingeschränkt war, und machte nach nur 69 Minuten mit 6:2, 6:4 den Finaleinzug perfekt.
Mit großem Applaus verabschiedete das Berliner Publikum seine neue Lieblingsspielerin. Auch wenn der Traum vom Titel an diesem Nachmittag endete, dürfte Alexandra Eala viele neue Fans gewonnen haben. Kaum eine Spielerin hat diese Turnierwoche so geprägt wie die junge Philippinin.
Während auf dem Centre Court um den Einzug ins Finale gekämpft wurde, lief am Rand des Geschehens nahezu lautlos eine kleine Choreografie ab, die vielen Besucherinnen und Besuchern vermutlich erst auf den zweiten Blick auffiel. Acht Ballkinder bewegten sich über den Rasen, sprinteten zu den Bällen, rollten sie blitzschnell zur richtigen Seite oder reichten sie den Spielerinnen mit einer Selbstverständlichkeit, als würden sie dies schon seit Jahren gemeinsam machen. Tatsächlich steckt hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit eine intensive Vorbereitung. Rund 60 Ballkinder wurden bereits Wochen vor Turnierbeginn gecastet und an mehreren Trainingstagen auf ihre Aufgaben vorbereitet. Selbst der Wechsel nach jedem Satz folgt einer exakt einstudierten Choreografie und erinnert fast an ein kleines Ballett auf dem Rasen.
Und wenn die Kinder einmal Pause haben? Dann wird es hinter den Kulissen erstaunlich kreativ. In ihrem Aufenthaltsraum wird gemeinsam gegessen, getrunken oder einfach gespielt. Dauert eine Regenunterbrechung einmal länger, organisieren die Betreuerinnen kurzerhand eine Runde Stadt-Land-Fluss. Andere bauen mit einer Sitzbank ein improvisiertes Tennisnetz auf, greifen zu den Schuhkartons ihrer neuen Fila-Schuhe und spielen damit Tennis. Auch solche kleinen Geschichten gehören zu einer Turnierwoche dazu – und machen sie für viele der jungen Ballkinder zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Auch in der Doppelkonkurrenz fielen am Samstag die letzten Entscheidungen. Das erfahrene Duo Sara Errani und Nicole Melichar-Martinez zog mit einem souveränen Zweisatzsieg gegen Asia Muhammad und Fanny Stollar ins Endspiel ein. Das zweite Halbfinale zwischen Ekaterina Alexandrova/Linda Noskova und Ulrikke Eikeri/Quinn Gleason musste dagegen beim Stand von 6:3, 3:3 wegen der fortgeschrittenen Zeit unterbrochen werden und wird am Finaltag fortgesetzt.
Der Finalsonntag verspricht damit noch einmal Tennis auf höchstem Niveau. Um 12:00 Uhr eröffnen Jessica Pegula und Linda Noskova mit dem Einzel-Finale den letzten Turniertag. Direkt im Anschluss wird die Siegerin der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 geehrt, bevor nach einer angemessenen Pause zunächst das noch ausstehende Doppel-Halbfinale fortgesetzt wird. Sollte sich Linda Noskova gemeinsam mit Ekaterina Alexandrova dort durchsetzen, würde sie wenig später sogar noch um den Doppeltitel spielen. Für die junge Tschechin könnte es damit ein außergewöhnlicher Finaltag mit gleich zwei Titelchancen werden.
Nicht nur bei den Profis wird am Sonntag um einen Titel gespielt. Bereits um 10:30 Uhr beginnt auf Court 2 das Finale der Berlin Tennis Open Juniors by FILA und TVBB. Acht talentierte Spielerinnen der Altersklassen U13 und U14 haben am Samstag ihre Halbfinalpartien bestritten und dabei ein Erlebnis genossen, das sie so schnell nicht vergessen werden. Einmal dort aufschlagen, wo wenige Meter weiter die Weltelite des Damentennis um den Turniersieg kämpft – und das auch noch auf Rasen. Für die meisten der Nachwuchsspielerinnen war dieser Belag völliges Neuland. Entsprechend groß war die Aufregung vor dem ersten Ballwechsel. Doch spätestens mit dem Betreten des Courts fühlte es sich fast wie bei den Profis an: Eine große Anzeigetafel mit den Namen der Spielerinnen, ein offizieller Stuhlschiedsrichter und die besondere Atmosphäre eines WTA-500-Turniers sorgten für Gänsehautmomente. Wer weiß – vielleicht schlägt hier gerade eine der Spielerinnen auf, die in einigen Jahren selbst im Steffi-Graf-Stadion um den Titel kämpfen wird. Einen schöneren Abschluss dieser Berliner Tenniswoche könnte es kaum geben.
Spielplan Sonntag 21. Juni 2026
STEFFI GRAF STADION beginnt um 12:00 Uhr
[3] J. Pegula (USA) vs [8] L. Noskova (CZE)
SINGLES TROPHY PRESENTATION
After suitable rest[63 *33 TBF] E. Alexandrova / L. Noskova (CZE) vs U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA)
After suitable rest [3] S. Errani (ITA) / N. Melichar-Martinez (USA) vs E. Alexandrova / L. Noskova (CZE) OR U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA)





















