cg - Eigentlich hätte um Punkt 12:00 Uhr das Finale der VANDA Pharmaceuticals BERLIN TENNIS OPEN 2026 beginnen sollen. Die Zuschauer strömten auf die Anlage des LTTC „Rot-Weiß“, die Kamerateams standen bereit und auf dem Centre Court warteten zwei Spielerinnen auf den Höhepunkt einer außergewöhnlichen Turnierwoche. Doch an diesem Sonntag schrieb zunächst nicht der Tennissport die Schlagzeilen – sondern das Wetter.
Binnen weniger Minuten verdunkelte sich der Himmel über dem Grunewald. Heftiger Starkregen setzte ein, begleitet von kräftigen Windböen. Rund 40 Liter Niederschlag pro Quadratmeter und Stunde gingen auf die Anlage nieder. Wege verwandelten sich in kleine Wasserläufe, der Centre Court verschwand unter seinen Planen und an Tennis war plötzlich nicht mehr zu denken.
Aus Sicherheitsgründen musste das gesamte Turniergelände geräumt werden. Gemeinsam mit der Berliner Polizei wurde der Auerbachtunnel kurzerhand zum sicheren Zufluchtsort für Hunderte Zuschauerinnen und Zuschauer. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, ob an diesem Tag überhaupt noch ein Finale stattfinden würde.
Während draußen der Regen auf die Planen trommelte, begann hinter den Kulissen ein Wettlauf gegen die Zeit. Greenkeeper, Technikteams, Volunteers und zahlreiche Helfer arbeiteten Hand in Hand, beseitigten Wassermassen, kontrollierten Wege und bereiteten die Anlage Stück für Stück wieder auf den Spielbetrieb vor.
Als sich gegen 17:57 Uhr schließlich die großen Planen vom Centre Court lösten, brandete im Steffi-Graf-Stadion zum ersten Mal an diesem Tag lauter Applaus auf. Diesmal galt er nicht den Finalistinnen, sondern den vielen Helferinnen und Helfern, die stundenlang dafür gearbeitet hatten, dass überhaupt noch Tennis gespielt werden konnte. Es war einer dieser seltenen Momente, in denen das Publikum den Menschen hinter den Kulissen die Bühne überließ.
Wenig später konnte das Finale endlich beginnen.
Jessica Pegula, Turniersiegerin von 2024 und erneut eine der konstantesten Spielerinnen der Woche, traf auf Linda Noskova. Die junge Tschechin hatte bis dahin keinen einzigen Satz abgegeben und sich mit druckvollem Grundlinientennis sowie einem starken Aufschlag in beeindruckender Form präsentiert. Beide hatten sich ihren Platz im Endspiel auf ganz unterschiedliche Weise verdient – Pegula mit Erfahrung und großer Konstanz, Noskova mit jugendlicher Unbekümmertheit und bemerkenswerter Konsequenz.
Den besseren Start erwischte die Tschechin. Mit ihrem kraftvollen Service und mutigen ersten Schlägen setzte sie Pegula sofort unter Druck und zog schnell auf 3:0 davon. Die Amerikanerin kämpfte sich zwar eindrucksvoll zurück, doch Noskova blieb ruhig, nahm Pegula im entscheidenden Moment erneut den Aufschlag ab und sicherte sich den ersten Satz mit 6:4.
Auch der zweite Durchgang entwickelte sich zu einem hochklassigen Finale. Diesmal gelang Pegula das entscheidende Break zum 4:3. Die Amerikanerin spielte nun aggressiver, nutzte ihre Chancen konsequent und stellte mit einem 6:4 den Satzausgleich her. Das Finale war wieder völlig offen.
Im entscheidenden dritten Satz zeigte sich jedoch, warum Linda Noskova in dieser Woche als vielleicht kompletteste Spielerin des gesamten Turniers aufgetreten war. Früh gelang ihr erneut das Break, ihr Aufschlag funktionierte weiterhin nahezu fehlerfrei und immer wieder setzte sie Pegula mit druckvollen Schlägen von der Grundlinie unter Zugzwang. Zwar wehrte die Amerikanerin noch einen Matchball ab, doch wenig später verwandelte Noskova ihre zweite Chance zum 6:3 und ließ anschließend alle Emotionen heraus.
Mit gerade einmal 21 Jahren gewann Linda Noskova damit den bislang größten Titel ihrer Karriere. Eine Turnierwoche ohne Satzverlust fand ihren verdienten Höhepunkt. Wer Renata Zarazua, Diane Parry, Paula Badosa, Alexandra Eala und schließlich Jessica Pegula schlägt, darf sich vollkommen verdient Siegerin der Berlin Tennis Open nennen.
Doch für die Tschechin ist die Arbeit noch nicht beendet. Bereits am Montag kehrt sie auf den Centre Court zurück. Gemeinsam mit ihrer Doppelpartnerin Ekaterina Alexandrova wird zunächst das am Samstag wegen Dunkelheit unterbrochene Halbfinale gegen Ulrikke Eikeri und Quinn Gleason fortgesetzt. Im Erfolgsfall wartet anschließend direkt das Doppel-Finale gegen Sara Errani und Nicole Melichar-Martinez. Aus einem Einzeltitel könnte also innerhalb von nur 24 Stunden sogar noch ein Berliner Double werden.
Turnierdirektor Markus Zoecke fand nach diesem außergewöhnlichen Finaltag vor allem Worte des Dankes. Sein Dank galt den Zuschauerinnen und Zuschauern, die trotz der stundenlangen Unterbrechung zurückkehrten, ebenso wie den zahlreichen Volunteers, Ballkindern, Greenkeepern, Partnern, Sponsoren und allen Mitarbeitenden, die dieses Turnier überhaupt möglich gemacht haben. Gleichzeitig zeigte er Verständnis für jene Besucher, die nach der zwischenzeitlichen Räumung enttäuscht den Heimweg antreten mussten. Sicherheit gehe immer vor, betonte Zoecke – und genau deshalb sei die Entscheidung alternativlos gewesen.
Wer den Finaltag am Sonntag verpasst hat, bekommt am Montag noch einmal die Gelegenheit, Weltklasse-Tennis am Hundekehlesee zu erleben. Ab 11:00 Uhr wird zunächst das unterbrochene Doppel-Halbfinale fortgesetzt. Anschließend folgt das Endspiel der Doppelkonkurrenz – bei freiem Eintritt für alle Tennisfans.
Vielleicht ist das sogar ein passender Abschluss für diese besondere Turnierwoche. Denn die Berlin Tennis Open 2026 haben eindrucksvoll gezeigt, dass große Geschichten nicht immer nur auf der Anzeigetafel entstehen. Manchmal sind es der Regen, die Geduld eines Publikums, der Applaus für die Helfer oder der Mut einer 21-jährigen Tschechin, die ein Turnier unvergesslich machen.
Spielplan Montag 22. Juni 2026
STEFFI GRAF STADION beginnt um 11:00 Uhr - EIntritt ist frei
[63 *33 TBF] E. Alexandrova / L. Noskova (CZE) vs U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA)
After suitable rest [3] S. Errani (ITA) / N. Melichar-Martinez (USA) vs E. Alexandrova / L. Noskova (CZE) OR U. Eikeri (NOR) / Q. Gleason (USA)





















