"Rot-Weiß" zum Auftakt gefordert – und mittendrin im Bundesliga-Alltag

cg - Es gibt diese Tage im Tennis, an denen der erste Aufschlag schon verrät, dass es kein Spaziergang wird. Und dann gibt es Tage wie diesen. Der Saisonauftakt der 1. Damen des LTTC „Rot-Weiß“ gegen den TEC Waldau Stuttgart war einer, der nicht nach Drehbuch lief – eher nach dem Motto: Willkommen zurück in der Bundesliga, jetzt wird’s ernst.

Die 2:7-Niederlage liest sich auf dem Papier deutlicher, als sie sich stellenweise auf dem Platz angefühlt hat, aber sie ist dennoch ein Fingerzeig. Stuttgart, angeführt von einem bestens vorbereiteten Team um Team-Kapitän Thomas Bürkle, kam mit klarer Mission nach Berlin: keine Wiederholung der Vorjahresgeschichte, sondern ein Statement. Und genau das haben sie gesetzt.

Für "Rot-Weiß" war es hingegen ein Start, der noch ein paar Ecken und Kanten offenbarte. Gerade die neuen Gesichter im Team – talentiert, ambitioniert, aber eben noch nicht vollständig eingespielt – fanden nicht sofort ihren Rhythmus. Iva Krasimirova Ivanova, Jasmijn Gimbrere und Linea Bajraliu mussten Lehrgeld zahlen. Es fehlte an Konstanz, an der letzten Präzision – Bälle, die im Training noch sitzen, landeten im Netz oder segelten knapp ins Aus. Das gehört dazu, gerade wenn ein Team sich neu sortiert. Aber es ist eben auch Bundesliga, und die verzeiht wenig.

Und doch – wer nur auf das Ergebnis schaut, verpasst die Geschichte dieses Tages. Denn es gab sie, die Momente, die hängen bleiben. Andrea Lázaro García setzte früh ein Ausrufezeichen und holte mit einem klaren 6:1, 6:3 den ersten Punkt für Berlin. Souverän, entschlossen, fast schon beiläufig.

Und dann war da Lena Papadakis. Zurück auf dem Platz, zurück im Wettkampfmodus – und wie. 6:4, 6:0 gegen Victoria Pohle, dazu eine Kulisse, die man so nicht planen kann. Die Jugend der ROT WEISS Academy stand dicht am Court, feuerte ihre Trainerin an, als ginge es um ein Grand-Slam-Finale. Jeder Punkt ein kleiner Jubelsturm, jeder gewonnene Ball ein Stück Stolz. Es war einer dieser Momente, in denen man merkt, dass Tennis mehr ist als ein Spielstand.

Das sportliche Highlight des Tages aber lieferte Milena Steinkamp. Zweieinhalb Stunden Kampf, ein erster Satz, der mit 7:5 an sie ging, und ein Match, das alles hatte: Tempo, Emotion, Wendungen. Gegen Anna Gabric hielt sie nicht nur mit – sie setzte Akzente, blieb dran, fand immer wieder zurück in die Rallys, selbst wenn ein Punkt verloren ging. Es war diese Mischung aus Mut und Reife, die viele Zuschauer in ihren Bann zog. Ein Match, das man nicht vergisst, auch wenn es am Ende nicht auf der Gewinnerseite landet.

Nach den Einzeln stand es 2:4 – ein Rückstand, aber keiner, der unüberwindbar schien. Die Doppel sollten es richten. Doch genau hier zeigte Stuttgart seine ganze Qualität. Die Berlinerinnen hielten dagegen, kämpften sich in Match-Tie-Breaks, hielten die Spannung hoch – aber die entscheidenden Punkte gingen an die Gäste. Drei Doppel, drei knappe Geschichten, die jeweils in die andere Richtung kippten.

Parallel dazu lief im Hintergrund ein ganz eigener Neustart: Die neue Gastronomie im Grand Slam hatte ihren ersten großen Auftritt. Zwischen Espressomaschine und Pasta-Tellern, zwischen Spielplan und Serviceablauf wurde improvisiert, organisiert, ausprobiert. Noch nicht alles perfekt, aber mit genau dem Charme eines ersten Spieltags – und der Gewissheit, dass sich auch hier schnell ein Rhythmus einstellen wird.

Am Ende bleibt ein Ergebnis, das weh tut, aber auch ein Tag, der einordnet. Neue Spielerinnen, neue Abläufe, ein Team, das sich noch finden muss – das alles braucht Zeit. Die Bundesliga kennt kein Einspielen, sie beginnt sofort mit Tempo. Und genau deshalb ist dieser Auftakt vielleicht weniger ein Rückschlag als ein ehrlicher Standortcheck.

Denn eines hat dieser 1. Mai auch gezeigt: In dieser Mannschaft steckt mehr, als das Ergebnis vermuten lässt. Da ist Energie, da ist Qualität, da ist Zusammenhalt. Und vor allem ist da die Chance, es schon ganz schnell besser zu machen.

Denn viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Schon am Sonntag, dem 3. Mai, steht die nächste große Aufgabe an – der TC Bredeney kommt an die Hundekehle. Und wenn man einen Auftakt wie diesen richtig liest, dann weiß man: Genau solche Spiele sind es, in denen Geschichten beginnen können.

Also bleiben Sie dran. Lösen Sie sich vom Livescore, kommen Sie an den Platz. Denn wenn es wieder heißt „1. Bundesliga – hier ist Berlin“, dann ist eines sicher: Langweilig wird es nicht.

Spielbeginn: 11:00 Uhr - Eintritt frei

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VOM 13. BIS 21. JUNI 2026

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