Mehr Zugriff, mehr Mut – Berlin wächst am zweiten Spieltag

cg - Manchmal braucht es im Tennis keinen Neustart, sondern einfach nur einen Moment, in dem der Motor endlich rund läuft. Nach dem holprigen Auftakt gegen den TEC Waldau Stuttgart wirkte es beim zweiten Spieltag gegen den TC Bredeney plötzlich so, als hätte jemand genau diesen Schalter gefunden. Kein großes Spektakel, eher ein leises Aufdrehen – aber eines, das sofort spürbar war.

Schon in den ersten Einzeln lag etwas in der Luft, das am Freitag noch gefehlt hatte. Jasmijn Gimbrere startete mit einem klaren 6:2 gegen Greetje Minnen – druckvoll, präsent, wach. Auch Linea Bajraliu zeigte, dass sie angekommen ist. Ihr 6:4 im ersten Satz gegen Mona Barthel war kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck eines Spiels, das sich Stück für Stück entfaltet. Und als es im zweiten Satz eng wurde, hielt sie dem Druck stand, gewann den Tie-Break – ein kleines, aber wichtiges Statement.

Gimbrere hingegen erlebte ein Match, das sich drehte wie ein Berliner Frühlingswetter. Nach starkem Beginn kam der Bruch, der zweite Satz ging weg – aber genau darin lag die Entwicklung. Nicht einbrechen, sondern reagieren. Der Match-Tie-Break wurde zum Gradmesser – und zum Gewinn für "Rot-Weiß". Der erste echte Lohn für den sichtbar gewachsenen Zugriff auf das Spiel.

Und dann war da Milena Steinkamp. Fünfzehn Jahre alt, und schon mittendrin in der Bundesliga. Ihr Match gegen Luisa Meyer auf der Heide hatte alles, was diesen Sport ausmacht: Tempo, Mut, kleine Fehler und große Momente. Der erste Satz ging verloren, aber nicht kampflos. Im zweiten Satz kämpfte sie sich zurück, zwang ihre Gegnerin in den Tie-Break – und musste am Ende einen dieser Momente erleben, die im Tennis länger hängen bleiben als ein verlorener Punkt. Ein Doppelfehler bei eigenem Aufschlag, Matchball gegen sich. Bitter, ja. Aber auch Teil eines Weges, der hier gerade erst beginnt. Und wer genau hingeschaut hat, konnte sehen: Da wächst etwas.

Mit den folgenden Einzeln verschob sich das Momentum wieder leicht. Iva Krasimirova Ivanova zeigte gegen Anouk Koevermans, dass sie mehr kann, als das Ergebnis am Ende aussagt. Nach verlorenem ersten Satz drehte sie auf, holte sich den zweiten – und kämpfte sich in einen Match-Tie-Break, der bis zum letzten Ball offen blieb. 7:10, verloren – aber nicht verschenkt.

Lena Papadakis lieferte sich mit Anna-Lena Friedsam ein Match, das vor allem eines zeigte: Widerstand. Jeder Punkt erarbeitet, jeder Ball mit Energie gespielt. Am Ende reichte es nicht, aber auch hier blieb der Eindruck: Das war kein Durchmarsch der Gegnerin, sondern ein hart erkämpfter Sieg.

Und dann kam dieses Duell, das man eigentlich nur schwer beschreiben kann, wenn man es nicht selbst gesehen hat. Caroline Werner gegen Tatjana Maria. Wer gegen Maria spielt, spielt nicht nur gegen eine Gegnerin, sondern gegen ein System. Slices, Winkel, Tempoveränderungen – ein Spiel, das sich nicht greifen lässt. Werner hielt dagegen, kämpfte sich in den Tie-Break des ersten Satzes, investierte alles. Vielleicht zu viel. Denn im zweiten Satz waren die Kräfte sichtbar aufgebraucht. Bei über 30 Grad, gegen diesen Spielstil, wird jeder Ball zur Herausforderung. Ein 1:6, das weniger über die Qualität aussagt als über den Energieverschleiß.

2:4 nach den Einzeln. Rückstand, ja. Aber keiner, der die Geschichte dieses Tages vollständig erzählt. Denn diesmal war mehr da: mehr Zugriff, mehr Wille, mehr Leben im Spiel.

Die Doppel brachten schließlich die Entscheidung – und auch die Realität dieses Spieltags. Während andere Teams mit breiterem Kader anreisen, musste "Rot-Weiß" improvisieren. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus der Logik eines dicht getakteten Spielbetriebs. Parallelverpflichtungen, begrenzte Optionen – das gehört zur Bundesliga ebenso wie der erste Aufschlag. Dass das Doppel Werner/Steinkamp früh beendet werden musste, war weniger ein sportliches als ein strukturelles Thema.

Und doch gab es auch hier wieder diesen einen Moment. Gimbrere und Papadakis holten gegen Barthel und Friedsam einen wichtigen Punkt – in drei Sätzen, mit Nerven, mit Mut. Ein Sieg, der vielleicht in der großen Abrechnung noch Gewicht bekommt. Ivanova und Bajraliu kämpften sich ebenfalls bis in den Match-Tie-Break, hielten dagegen, blieben dran – mussten sich am Ende aber geschlagen geben.

Endstand: 3:6. Eine Niederlage, ja. Aber eine andere als noch zum Auftakt. Keine, die ratlos zurücklässt, sondern eine, die zeigt, wohin der Weg gehen kann.

Denn genau das ist die Geschichte dieses Spieltags: "Rot-Weiß" ist angekommen. Noch nicht am Ziel, aber im Wettbewerb. Mit Ecken, mit Baustellen, aber auch mit klaren Ansätzen.

Und Zeit zum Durchatmen bleibt kaum. Schon am Sonntag, dem 10. Mai 2026 wartet mit dem nächsten Gegner die vielleicht härteste Aufgabe dieses Frühjahrs – die amtierenden Meisterinnen aus Aachen. Ein Spiel, das alles verlangen wird.

Wer sehen will, wie sich diese Mannschaft weiterentwickelt, sollte nicht auf den Livescore schauen. Sondern dorthin kommen, wo man Tennis wirklich versteht: an den Platz. An die Hundekehle. Denn diese Saison beginnt gerade erst, ihre Geschichte zu erzählen.

Spielbeginn: 11:00 Uhr - Eintritt frei

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WELTKLASSE TENNIS AUF WIMBLEDON RASEN
VOM 13. BIS 21. JUNI 2026

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