cg - Es gibt diese Tage, da stimmt einfach alles. Ein lauer Sommernachmittag an der Hundekehle, ein prall gefüllter Centercourt, Pizza, Grill, kühle Getränke – und mittendrin ein Derby, das seinem Namen alle Ehre machte. Der LTTC „Rot-Weiß“ empfing am Freitag die 1. Herren des TC 1899 Blau-Weiss zum Hauptstadtknall in der 2. Bundesliga Nord – und was beide Teams auf den Platz brachten, war pures Tennis-Kino. Am Ende stand ein hart umkämpftes 5:4 für „Rot-Weiß“, das damit nicht nur das prestigeträchtige Stadtduell für sich entschied, sondern sich auch an die Spitze der Tabelle setzte. Aber der Reihe nach.
Schon die erste Begegnung hatte es in sich: Michiel de Krom (Blau-Weiss) setzte gegen Álvaro López San Martín das erste Achtungszeichen und holte mit 7:6(5), 6:1 den ersten Punkt fast unbemerkt – zu sehr waren die Blicke der Zuschauer auf Plätze 5 und 6 gerichtet, wo es parallel zur Sache ging. Besonders die Partie zwischen Oriol Roca-Batalla ("Rot-Weiß") und Diego Dedura (Blau-Weiss) entwickelte sich zum Herzstück des Nachmittags. Ein Duell auf Augenhöhe, vollgepackt mit Leidenschaft, Tempo und diesen kleinen Dramen, die Tennis auf höchstem Niveau ausmachen. Nach verlorenem ersten Satz kämpfte sich Roca-Batalla zurück, glich aus – und verwandelte schließlich im Match-Tie-Break seinen zweiten Matchball zum 12:10. Spätestens da kochte die Stimmung.
Dass an diesem Tag jeder Punkt zählen würde, zeigte sich auch im dritten Einzel: Youngster Nino Ehrenschneider ließ Blau-Weiss-Routinier Michael Agwi mit 6:3, 6:4 kaum eine Chance. Ein Sieg, der nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch einen klaren Akzent setzte – das Publikum feierte Ehrenschneiders konzentrierten Auftritt, während Agwi zunehmend hadert, mit sich, den Bedingungen und der Welt.
Timo Stodder ließ im Anschluss gegen Ryan Seggerman (USA) die Tribüne erneut beben. Mit Nerven wie Drahtseilen und dem besseren Gespür für die großen Punkte gewann er 6:3, 7:5 – Punkt Nummer drei für "Rot-Weiß". Doch die Freude wurde kurz darauf gedämpft: Nicholas David Ionel musste sich nach großem Kampf Ryan Nijboer im Match-Tie-Break geschlagen geben (2:6, 7:6(4), 3:10). Spannung? War da längst wieder Programm.
Denn während sich der Platz an einigen Ecken bereits leerte – Kaffee und Kuchen riefen – brannte auf Court 6 noch immer das Flutlicht der Emotionen. Robert Strombach und Vitaliy Sachko zeigten Tennis aus dem Lehrbuch, gewürzt mit Körpereinsatz à la Mission Impossible. Tie-Breaks auf beiden Seiten, Wahnsinnsbälle, Netzduelle, Aufschlaggewitter – und dann ein 10:5 im Match-Tie-Break für Strombach, bei dem kein Zuschauer mehr saß, sondern alle standen. 4:2 für "Rot-Weiß" nach den Einzeln – das Finale lag in den Doppeln.
Und auch hier wurde noch einmal alles rausgehauen, was das Derby zu bieten hatte. Roca-Batalla und López San Martín machten gegen Sachko/Dedura kurzen Prozess (6:3, 7:6(1)) – der entscheidende fünfte Punkt, der das Match zugunsten des LTTC „Rot-Weiß“ drehte. Die Gäste konterten in den verbliebenen Doppeln mit zwei Siegen, doch der Gesamtsieg war nicht mehr zu nehmen.
5:4 für den LTTC „Rot-Weiß“. Tabellenführer. Hauptstadtmeister auf Zeit. Applaus von allen Seiten.
Die Sonne senkte sich golden über den Grunewald, die letzten Matches liefen aus – doch die Begeisterung blieb. Zuschauer, Spieler, Trainer – sie alle wussten: Das war nicht einfach nur ein Spieltag. Das war ein Fest. Und ein Versprechen.
Denn es geht direkt weiter: Schon am Sonntag, dem 27. Juli 2025 um 11:00 Uhr, kommt das Team aus Suchsdorf an die Hundekehle. Ein weiteres Heimspiel – eine weitere Chance, die Erfolgsserie fortzusetzen. Der LTTC „Rot-Weiß“ freut sich auf ein volles Haus, laute Unterstützung und viele gespannte Augenpaare. Also: Kein Livescore. Kein Sofa. Kommen Sie vorbei – live, in Farbe, in Berlin.

















