cg - Vorletzter Spieltag in der 2. Bundesliga Nord der Herren, und die Anlage des LTTC „Rot-Weiß“ war von Beginn an elektrisiert. Zu Gast: die Männer des Oldenburger TeV – abstiegsbedroht, aber keineswegs gewillt, hier freiwillig Punkte liegen zu lassen. Die Ausgangslage vor dem ersten Aufschlag war glasklar: punktgleich mit dem TC SCC Berlin, aber in der Tabelle nur Zweiter, mussten die „Rot-Weißen“ heute nicht nur gewinnen, sondern auch Match-, Satz- und Spielgewinne wie Bonusmeilen sammeln. Kurz gesagt: Jeder Punkt konnte am Ende den Unterschied zwischen „Wir sehen uns nächstes Jahr wieder“ und „Hallo, 1. Bundesliga“ ausmachen.
Und die Punktejagd begann furios. Nino Ehrenschneider setzte gleich ein "rot-weißes" Ausrufezeichen: 6:2, 6:2 gegen Lasse Muscheites – keine langen Umwege, kein Zittern, nur klare Ansage. Wenig später ließ auch Alvaro Lopez San Martin gegen Michel Dornbusch nichts anbrennen: 7:6(3), 6:3, das zweite Ausrufezeichen im Tableau. Doch dann wurde es komplizierter. Oriol Roca-Batalla rang mit Stefan Seifert um jeden Ballwechsel, verlor den ersten Satz im Tie-Break, kämpfte sich zum Satzausgleich und musste schließlich im Match-Tie-Break mit 8:10 passen – ein erster Dämpfer im Punktesammeln.
Timo Stodder lieferte ein Match, das mehr Wendungen hatte als ein Sommerkrimi. Starker Start mit 6:3 gegen Mark Whitehouse, dann der Bruch – 1:6 im zweiten Satz – und am Ende der knappe Sieg im Match-Tie-Break mit 10:8. Parallel hatte Gabi Adrian Boitan ein besonders schweres Los gezogen: Niels McDonald, frischgebackener Junioren-French-Open-Sieger. Boitan stemmte sich tapfer, doch der Youngster spielte souverän sein Tempo, seine Präzision, seinen Willen. 2:6, 3:6 – ein weiterer Oldenburger Punkt.
Beim Stand von 3:2 war es an Robert Strombach, das Team auf Kurs zu halten. Gegen den Franzosen Alexandre Reco ließ er keinen Zweifel, wer hier die Nummer eins ist. 6:1, 6:1 – schnell, kompromisslos, effektiv. Nach den Einzeln hieß es 4:2, ein Polster, das gut aussah, aber noch ausbaufähig war.
Die Doppel mussten also liefern. Strombach/Stodder machten kurzen Prozess mit Reco/Whitehouse – 6:3, 6:0, ein klares Signal. Doch die spanische Paarung Roca-Batalla/Lopez San Martin traf auf McDonald/Dornbusch, und hier wurde es zäh. Nach Satzgewinn und knapp verlorenem Tie-Break ging der Match-Tie-Break mit 7:10 an Oldenburg. Das letzte Doppel Boitan/Ehrenschneider gegen Seifert/Muscheites sollte den Tag mit einem sechsten Punkt krönen – doch Oldenburg biss sich fest, holte beide Sätze mit 6:3, 6:4.
Am Ende stand ein 5:4 für den LTTC „Rot-Weiß“. Sieg ja, Jubel auch – aber die magere Ausbeute an Matchpunkten könnte im direkten Vergleich mit dem TC SCC teuer werden. Der Klassenerhalt? Längst gesichert. Der Aufstieg? Möglich, aber der Rechenschieber liegt jetzt griffbereit neben den Tennisschlägern.
Der Blick geht nach vorn: Am Sonntag beim GW Nikolassee steigt der finale Spieltag – die letzte Chance, mit einer Punkteexplosion noch einmal Druck auf den Stadtrivalen zu machen. Ab 11:00 Uhr am Kirchweg 24 fliegen die Bälle, und es gibt keine Ausreden. Das Smartphone bleibt in der Tasche – wer Tennis in seiner pursten Form sehen will, muss live dabei sein. Vielleicht, ganz vielleicht, endet der Tag ja doch noch mit einem Sektkorkenknall.


















