cg - Wer am Sonntag pünktlich um 21:00 Uhr das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft zwischen Spanien und Argentinien sehen wollte, konnte sich bei den 1. Herren des LTTC „Rot-Weiß“ bedanken. Die Berliner machten beim dritten Spieltag der 2. Bundesliga Nord gegen den Marienburger SV kurzen Prozess. Keine drei Stunden nach dem ersten Aufschlag waren sämtliche Einzel entschieden. Alle sechs gingen an den LTTC. Vor rund 250 Zuschauern an der Hundekehle stand damit frühzeitig fest: Der Tagessieg war perfekt. Und was für einer.
Schon beim Training unter der Woche war zu erkennen gewesen, dass die Mannschaft den Schwung aus dem 9:0-Erfolg in Suchsdorf mitnehmen wollte. Die Intensität stimmte, die Stimmung ebenfalls. Nun galt es, genau dieses Gefühl auf den Platz zu bringen. Das gelang eindrucksvoll.
Den schnellsten Auftritt des Tages legte Nino Ehrenschneider hin. Nicht einmal eine Stunde benötigte er, um Yannic Nittmann mit 6:0, 6:1 zu bezwingen. Lange deutete sogar alles auf die berühmte “Brille” hin. Ehrenschneider spielte druckvoll, bewegte seinen Gegner über den gesamten Platz und profitierte gleichzeitig von dessen hoher Fehlerquote. Die hoch abspringenden Bälle auf Platz 5 bereiteten dem Marienburger sichtbar Probleme. Ehrenschneider dagegen wirkte vom ersten Ballwechsel an so, als hätte er genau auf diesen Platz gewartet.
Auch Robert Strombachs ließ kaum Zweifel aufkommen. Gegen den Polen Piotr Matuszewski überzeugte er mit einem souveränen 6:1, 6:4. Kraftvoll im Aufschlag, sicher von der Grundlinie und jederzeit konzentriert präsentierte sich Strombachs in einer Verfassung, die Lust auf die kommenden Wochen macht.
Timo Stodder, Oriol Roca-Batalla und Alvaro Lopez San Martin reihten sich nahtlos in den starken Auftritt der Berliner ein. Alle drei gewannen ihre Einzel glatt in zwei Sätzen und ließen ihren Gegnern nur wenige Möglichkeiten, selbst das Spiel zu gestalten. "Rot-Weiß" dominierte die Begegnung nahezu nach Belieben.
Den einzigen echten Krimi des Tages lieferte Spitzenmann Radu Mihai Papoe. Nach einem 6:4 im ersten Satz schien beim Stand von 4:1 im zweiten Durchgang bereits alles entschieden. Doch sein Gegner John Sperle fand plötzlich seinen Rhythmus, spielte mutiger und drehte den Satz tatsächlich noch zu seinen Gunsten. Match-Tie-Break.
Noch vor einer Woche hätten bei den Berliner Fans vermutlich einige Erinnerungen an Oldenburg aufgeblitzt. Dort waren es ausgerechnet die Match-Tie-Breaks gewesen, die den möglichen Auswärtssieg kosteten. Doch inzwischen scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Schon in Suchsdorf entschied "Rot-Weiß" die engen Momente für sich. Und auch diesmal behielt Papoe die Ruhe. Mit einem überzeugenden 10:5 machte er den sechsten Einzelpunkt perfekt.
Nach den Einzeln leuchtete somit ein beeindruckendes 6:0 von der Anzeigetafel.
Während der Pause sorgte plötzlich ein ganz anderes Ereignis für Gesprächsstoff. Tiefe Bässe rollten über den Grunewald bis hinüber zur Hundekehle. Für einen Moment blickten viele Zuschauer irritiert in Richtung Olympiastadion. Dort lief zeitgleich das Lollapalooza-Festival. Getragen vom Westwind erreichten die Klänge selbst die Tennisanlage und lieferten einen ungewöhnlichen Soundtrack für einen Bundesliga-Nachmittag.
Kaum sollten die Doppel beginnen, meldete sich dann auch noch das Wetter. Ein kräftiger Regenschauer zog über die Anlage, deutlich früher als angekündigt. Die Plätze nahmen die dringend benötigte Abkühlung dankbar auf. Nach kurzer Unterbrechung zeigte sich wieder die Sonne und die Begegnung konnte fortgesetzt werden.
Im Doppel sicherten Robert Strombachs und Timo Stodder mit einer konzentrierten Leistung den siebten Berliner Punkt. Papoe und Ehrenschneider sowie Roca-Batalla und Lopez San Martin mussten sich dagegen ihren Gegnern geschlagen geben. Kurz bevor der nächste Regenschauer einsetzte, war der dritte Spieltag beendet.
Endstand: 7:2 für den LTTC „Rot-Weiß“.
Mit zwei Siegen aus den vergangenen beiden Begegnungen haben die Berliner nicht nur die Auftaktniederlage in Oldenburg eindrucksvoll verarbeitet. Vor allem die Art und Weise macht Mut. Das Team wirkt geschlossen, tritt selbstbewusst auf und entwickelt zunehmend den Zusammenhalt, der in einer langen Bundesligasaison oft den entscheidenden Unterschied ausmacht.
Viel Zeit zum Durchatmen bleibt allerdings nicht. Bereits am kommenden Freitag, dem 24. Juli 2026, wartet das erste Berliner Derby der Saison. Auswärts geht es zum TC 1899 Blau-Weiss. Mehr Derby geht kaum und erfahrungsgemäß entwickeln diese Begegnungen ihre ganz eigene Dynamik.
Wer sich davon überzeugen möchte, wie stark sich die 1. Herren derzeit präsentieren, sollte sich schon jetzt den nächsten Heimspieltermin vormerken. Die Mannschaft hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich Bundesliga-Tennis derzeit mehr denn je lohnt.

















