cg - Manchmal erzählt schon die Mannschaftsaufstellung die Geschichte eines Spieltags. So war es auch am siebten Spieltag der 2. Bundesliga Nord der Herren. Nach der Begegnung beim Tabellenführer Rochusclub blieb das Team des LTTC „Rot-Weiß“ zunächst in Nordrhein-Westfalen und machte sich von Düsseldorf auf den rund 80 Kilometer langen Weg nach Aachen. Dort wartete das letzte Auswärtsspiel der Saison, bevor am kommenden Wochenende an der Hundekehle die entscheidenden Begegnungen um den Klassenerhalt anstehen.
Die Berliner gingen die Aufgabe mit Bedacht an. Um Kräfte und Ressourcen für die beiden verbleibenden Heimspiele zu schonen, trat „Rot-Weiß“ mit einer veränderten Besetzung an. Für einige Spieler aus den hinteren Positionen der Meldeliste bot sich damit die Gelegenheit, erstmals Bundesliga-Luft zu schnuppern und Erfahrungen auf höchstem nationalen Niveau zu sammeln. Dass die Favoritenrolle klar bei den Gastgebern lag, war bereits vor dem ersten Ballwechsel kein Geheimnis. Dennoch hatte sich wohl niemand vorgestellt, am Ende ohne einen einzigen Matchpunkt die Heimreise antreten zu müssen.
Wer den Spieltag aus Berlin über den Livescore verfolgte, musste diesmal nicht bis zum Nachmittag auf dramatische Wendungen warten. Die ersten Ergebnisse ließen früh erkennen, in welche Richtung sich dieser Sonntag entwickeln würde.
Nino Ehrenschneider traf auf den Belgier Gauthier Onclin und fand gegen dessen druckvolles Spiel kaum ein wirksames Mittel. Auch Oliver Olsson feierte seinen ersten Bundesliga-Einsatz. Gegen Michael Geerts bekam der junge Berliner einen Eindruck davon, wie hoch das Niveau in der 2. Bundesliga tatsächlich ist. Lenard Soha stand ebenfalls erstmals in dieser Saison in der Startformation und sammelte wertvolle Erfahrungen, auch wenn das Ergebnis am Ende deutlich ausfiel.
In der zweiten Einzelrunde hoffte „Rot-Weiß“ auf eine Wende. Robert Strombachs stemmte sich gegen den Niederländer Jesper de Jong mit allem, was ihm zur Verfügung stand, musste jedoch anerkennen, dass sein Gegner an diesem Nachmittag die besseren Antworten fand. Auch Timo Stodder, in dieser Saison häufig einer der verlässlichsten Punktelieferanten der Berliner, erwischte keinen guten Tag. Gegen Max Houkes fand selbst die sonst so sichere Bank des LTTC nie richtig in ihren Rhythmus.
Ein wenig Spannung brachte schließlich noch Artem Lyapshin auf die Anlage. Nach verlorenem ersten Satz fand er zunehmend Zugriff auf das Match gegen Santiago Rodriguez Taverna und machte deutlich, dass er sich keineswegs kampflos geschlagen geben wollte. Mit viel Einsatz kämpfte er sich in den Tie-Break des zweiten Satzes, doch auch dort behielt der Aachener die Oberhand. Es war einer jener Momente, in denen sich zeigte, dass Einsatz und Wille allein manchmal nicht genügen, wenn auf der anderen Seite schlicht die bessere Tagesform steht.
Damit war die Entscheidung bereits nach den Einzeln gefallen. Aachen führte uneinholbar und hatte den Tagessieg sicher.
Auch in den anschließenden Doppeln gelang es den Berlinern nicht mehr, das Blatt zu wenden. Strombachs und Stodder, Ehrenschneider und Soha sowie Olsson und Kugel kämpften um jeden Punkt, doch alle drei Begegnungen gingen in zwei Sätzen an die Gastgeber. Bemerkenswert war dabei fast, dass diesmal weder Match-Tie-Breaks noch nervenaufreibende Schlussphasen den Spieltag prägten. Aachen spielte seine Stärke konsequent aus und ließ den Berlinern kaum Möglichkeiten, noch einmal zurückzukommen.
Rund 350 Zuschauer sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse und durften sich über einen souveränen Heimerfolg freuen. Im Kampf um den Aufstieg verändert dieses Ergebnis allerdings nur wenig. An der Spitze zieht weiterhin der Rochusclub unbeirrt seine Kreise und unterstrich parallel beim TC 1899 Blau-Weiss einmal mehr seine Ambitionen auf die sofortige Rückkehr in die 1. Bundesliga.
Für den LTTC „Rot-Weiß“ richtet sich der Blick ohnehin längst auf das Wesentliche. Die Tabelle zeigt zwar weiterhin das untere Drittel, ein Abstiegsplatz ist es derzeit jedoch nicht. Viel wichtiger ist die Erkenntnis, dass die Saison nun genau dort entschieden wird, wo man sie am liebsten entscheidet: auf der eigenen Anlage.
Zwei Heimspiele bleiben noch, zwei Gelegenheiten, den Klassenerhalt aus eigener Kraft perfekt zu machen.
Den Anfang macht am kommenden Freitag, dem 7. August 2026, ab 13:00 Uhr das kleine Berlin-Derby gegen den TC GW Nikolassee. Die Zehlendorfer werden ihre Fans mitbringen, daran besteht kaum ein Zweifel. Umso mehr sind nun auch die Mitglieder und Freunde des LTTC gefragt. Denn eines hat diese Saison immer wieder gezeigt: Bundesliga-Tennis lebt nicht nur von guten Ballwechseln, sondern auch von Menschen, die direkt am Spielfeldrand mitfiebern, anfeuern und ihrer Mannschaft den Rücken stärken.
Also lassen Sie den Livescore für einen Nachmittag einmal Livescore sein und kommen Sie an die Hundekehle. Jetzt zählt jede Stimme von der Tribüne.

















